„Ich wusste, es muss sich etwas ändern.“

Thomas, 23 Jahre, Ausbildung zum Feinwerkmechaniker an der TU Braunschweig

Wie viele andere Schulabgänger hat sich Thomas nach dem Abitur an den Schulfächern orientiert, in denen er gute Noten hatte. Das waren vor allem Mathematik und Physik – der Studiengang Maschinenbau lag für ihn daher nahe und versprach gute Einstiegschancen. „Meine Vorstellungen vom Studium wurden aber schnell von der Realität eingeholt,“ sagt Thomas heute. Der Theorieanteil an der Universität war höher als erwartet, Thomas bekam eine schlechte Note nach der anderen. Dennoch wartete Thomas bis zum 6. Semester, bevor er sich Hilfe suchte. „Ich hatte Angst“, erzählt der 23-Jährige, „mich meinen Eltern anzuvertrauen.“ Und sich und ihnen einzugestehen, dass er das Studium nicht weiterführen wollte.

Im Sommer 2015 ging er zunächst zur Zentralen Studienberatung der TU Braunschweig. Doch da er den Weg aus der Hochschule raus suchte, verwiesen ihn diese an das Wegbereiter-Vorläuferprojekt an der TU Braunschweig, „Neustart IT“. „Ich wusste, ich wollte abbrechen“, so Thomas. Gemeinsam mit Marcus, heute Projektleiter von „Wegbereiter“, machte Thomas eine Situationsanalyse, ging Alternativen durch, besprach Wünsche und Ziele. „Nach dem Abbruch war ich erst einmal ganz schön fertig. In der Beratung reifte die konkrete Vorstellung, welche Ausbildung ich ausüben wollte.“ Für Thomas und die meisten Studienabbrechenden in seiner Situation ist es wichtig, wieder nach vorn denken zu können und festzustellen, dass es noch immer viele Optionen gibt. Und die notwendige Unterstützung zu finden, auch im Umgang mit dem Umfeld. Große Sorge hatte Thomas nämlich vor dem Gespräch mit seinen Eltern, insbesondere seinem Vater. Doch das Gespräch lief gut.

Schnell kristallisierte sich dann in der Beratung auf der Basis seiner Interessen und Fähigkeiten sowie dem Wunsch nach praktischem ‚Tun‘ heraus, dass eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker das Richtige sein könnte. Der Zufall wollte es, dass die TU Braunschweig, die selbst zahlreiche handwerkliche, duale Ausbildungen anbietet, zu diesem Zeitpunkt für den unmittelbar bevorstehenden Ausbildungsstart noch eine offene Stelle in der Ausbildung zum Feinwerkmechaniker anzubieten hatte. Dieser Hinweis wurde durch die Handwerkskammer Braunschweig – Lüneburg – Stade erbracht.

Parallel besuchte Thomas erfolgreich die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit Braunschweig und konnte durch das Gespräch mit seiner Berufsberaterin seinen Berufswunsch absichern. Ein weiterer Vorteil war, dass er eine Fülle an Ausbildungsangeboten kostenlos zu gesendet bekommen hatte. Innerhalb weniger Tage wurde Thomas vom Studienabbrecher zum Auszubildenden – letztlich ein Idealfall, der viel mit Glück zu tun hatte. Das weiß auch Thomas, und rät deshalb dazu, früher Beratung in Anspruch zu nehmen und nach der richtigen Beratungsstelle zu fragen. „Damit meine ich auch, dass man – gerade auch bei diesem Projekt – über längere Zeit beraten werden kann. Auch wenn man also die ersten Zweifel hat, kann man durch eine frühe Beratung weiterfinden“, und sich weitere Informationen holen, sich besinnen darauf, wo es hingehen soll, ein Ziel entwickeln und ansteuern.

Thomas jedenfalls ist seinen Weg gegangen und steuert dem Ende seiner Ausbildung entgegen. Sein Mut, etwas zu ändern und sein Vertrauen in andere, ihm zu helfen, haben sich schließlich gelohnt. Thomas ist heute sichtlich erleichtert: „Letztendlich hatte ich mehr Angst als angebracht war. Der Schritt war der Richtige“.

Foto: Alexander Dontscheff

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