Thomas: „Blickt über den Tellerrand!“

Thomas, 31 Jahre, hat die Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert und ist angestellt in einem Braunschweiger IT-Unternehmen, studiert berufsbegleitend

Der Auslöser für das Aufsuchen von Beratung war bei mir im Endeffekt erst das endgültige Nichtbestehen der Prüfung im Studiengang „Bachelor Wirtschaftsinformatik“ an der TU Braunschweig. Da habe ich angefangen mich generell umzusehen. Eine Möglichkeit war das Weiterstudieren in der Informatik. Aber da ich vorher schon 14 Semester studiert hatte, musste etwas anderes her. Ich hatte im Studium z.B. auch schon vom Career Service der TU Braunschweig erfahren und wusste, da gibt es noch mehr an der TU. Durch die Flyer zum Vorläuferprojekt von Wegbereiter unter dem Titel Neustart IT, kam schließlich das Beratungsgespräch bei Marcus von den Wegbereitern zustande. Wir haben verschiedene Möglichkeiten ausgelotet, z.B. auch eine Option in Berlin, die es damals gab, wo ich einen Intensiv-Berufsschul-Abschluss hätte machen können, wenn hier sonst nichts geklappt hätte.

Die andere Option war, eine Ausbildung hier zu beginnen. Ich bekam von Marcus die Kontakte zweier Unternehmen hier in der Region, darunter auch mein jetziger Arbeitgeber, und habe mich dort zunächst auf Ausbildungsplätze beworben. Zuerst habe ich ein kurzes Praktikum in dem einen Unternehmen absolviert, und schließlich einen Programmiertest als Einstellungsprüfung bei dem zweiten Unternehmen. Die haben mir auch direkt danach ein Angebot gemacht, noch in das laufende Ausbildungsjahr einzusteigen und so habe ich dort direkt angefangen. Das war im November 2015.

Im Sommer 2016 fand nach dem ersten Ausbildungsjahr ein Personalgespräch statt, wo ich selbst das Thema „Verkürzen der Ausbildung“ angebracht habe und mir dann zwei Möglichkeiten angeboten wurden: Entweder ein halbes Jahr verkürzen am Ende der Ausbildung, oder direkt in das dritte Lehrjahr springen. Letzteres habe ich dann gemacht. Die Lehrer blieben gleich, der Stoff war für mich kein Problem und so konnte ich im Sommer 2017 meine Abschlussprüfung machen.

Warum ich ursprünglich in die Situation des langen und letztlich erfolglosen Studiums gekommen bin? Ich würde sagen, es kamen insgesamt viele Sachen zusammen. Zum einen habe ich mich in einen Trott hineingelebt, wo ich dann auch wenig gemacht habe. Private Schwierigkeiten hatten dazu beigetragen und mich auch irgendwie in diesem Trott festgehalten. Also bin ich mit einem Kumpel erstmal durch Europa gereist und habe andere Prioritäten gesetzt. Nebenher habe ich dann auch viel gearbeitet und wurde von meinen Eltern unterstützt, hatte also keine Geldprobleme, habe sogar an anderen Projekten mitgearbeitet – daher war ich einfach nicht auf das Studium konzentriert. Diese Erfahrungen waren es dann auch, die mich nach dem Studienabbruch, der ja gezwungenermaßen kam, dazu motiviert haben, lieber in eine geregelte Ausbildung zu gehen, weil mir diese Struktur einfach besser liegt.

Beraten lassen habe ich mich hauptsächlich bei Wegbereiter, ich war aber direkt nach dem Abbruch auch in der Studienfachberatung für Wirtschaftsinformatik der TU Braunschweig, um noch zu erfahren, ob und wo ich weiterstudieren könnte. In der Bewerbungsphase habe ich dann den Career Service nochmal aufgesucht, um meine Bewerbungen überprüfen zu lassen – dort war ich eben auch während des Studiums schon mal gewesen und kannte den Berater Knud Ahlborn daher schon. Die Beratung zum Studienabbruch hat mir sehr geholfen, da sie mir aufgezeigt hat, dass es an Studienabbrechenden interessierte Unternehmen gibt und weil es den Prozess des Auswählens unter den Möglichkeiten so ein bisschen geführt hat, einfach durch die Begleitung, und das war sehr gut für mich. Und ich habe es als Wertschätzung empfunden zu wissen, dass es eine Beratung für mein Anliegen gibt.

Vom Studium habe ich letztlich auch in der Ausbildung sehr profitiert und hatte natürlich den Vorteil, dass ich mich schnell in die Bereiche einarbeiten konnte – eine Fähigkeit, die man im Studium ja trainiert hat. Rückblickend hätte ich mich aber vor dem Studienbeginn stärker informieren sollen. Dann hätte ich mich ggf. zuerst für eine Ausbildung und dann für ein aufbauendes Studium entschieden. Damals war für mich aber klar: Nach dem Abi kommt Zivildienst und dann natürlich das Studium. Jetzt mache ich es so, wie ich es von Beginn an gern gemacht hätte: Ich habe mich für den Online-Studiengang Medieninformatik eingeschrieben und studiere seit dem Wintersemester wieder berufsbegleitend an der Ostfalia. Das wird von meinem Arbeitgeber unterstützt, ohne dass ich dafür dauerhaft Stunden reduzieren muss –die Möglichkeit dazu besteht aber in Prüfungsphasen, wenn es nötig ist. Auch im neuen Studiengang konnte ich mir noch Inhalte aus dem alten Studium anrechnen lassen und kann sagen: Das erste Studium war nicht umsonst!

Heute ist es bei mir so, dass der „Druck“ weiter zu machen und zu studieren, von innen kommt und nicht mehr von außen. Entlastend wirkt dabei natürlich, dass ich nun einen Bildungsabschluss nach der Ausbildung habe. Es gibt mir das Gefühl, selbstbestimmt eine persönliche Entscheidung getroffen zu haben, was ich noch machen möchte. Gleichzeitig bin ich mit meiner derzeitigen Rolle im Unternehmen zufrieden und mache dort Dinge, die ich früher auch angestrebt habe.

Was ich anderen nur raten kann: Keine Angst vor einem vermeintlichen Scheitern zu haben, denn es gibt viele Wege, die zum Ziel führen. Daher: Blickt über den Tellerrand!

 

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