Maverick: Macht das, womit ihr euch wohlfühlt

Maverick, 22 Jahre, Auszubildender bei Cargill in Salzgitter

Schon früh in meinem Studium Mathematik und Geschichte auf Lehramt habe ich gemerkt, dass studieren mir nicht wirklich liegt. Ich hatte keinen geregelten Tagesablauf, die Lehrveranstaltungen waren mir viel zu theoretisch und die Klausuren liefen auch eher so mittelprächtig. Während des ersten Pflichtpraktikums im 2. Semester, bei dem ich hauptsächlich in der Schule hospitiert und kleine Unterrichtseinheiten übernommen habe, lief es aber noch ganz gut. Daher dachte ich mir: „Immerhin scheint der Beruf zu passen, dann lohnt es sich auch durchs Studium zu beißen!“

Als die nächsten Semester dann aber nicht besser liefen als die ersten beiden, ich Klausuren nicht bestanden hatte und meine Motivation völlig im Keller war, kamen die ersten echten Zweifel. Schaffe ich das Studium wirklich?
Dann kam das zweite Praktikum, in dem man bereits mehr Unterricht übernimmt und langsam an das täglich Brot eines Lehrers herangeführt wird. Zu dieser Zeit habe ich gemerkt, dass der Beruf des Lehrers nicht so richtig das ist, was ich wirklich möchte. Hier fiel eigentlich schon der Entschluss, dass ein Abbruch das Beste für mich wäre. Da ich für mich jedoch keinen Plan B hatte, war ich mit dieser Situation ziemlich überfordert.

Was sollte ich jetzt machen? Zurück zu den Eltern – eher keine Option.

Ein anderes Studium? Das erste hat ja schon nicht funktioniert.

Also habe ich beschlossen, mir für diesen Schritt Hilfe zu suchen – bei Google mithilfe der Stichworte:
„Studienabbruch Braunschweig“. Erster Link: Wegbereiter. Eine Initiative, direkt unterstützt von der Uni? Erst mal eine Mail schreiben und schauen, ob die einem wirklich helfen können. Zwei Tage später kam die Antwort. Eine Woche später hatte ich einen Termin, zu dem ich mit etwas mulmigen Gefühl hingegangen bin, denn es war das erste offizielle Gespräch abgesehen von Gesprächen im engsten Familien- und Freundeskreis.

Wir haben dann erst einmal viel über mich, das Studium und die möglichen weiteren Schritte gesprochen. Am hilfreichsten war schließlich die Weiterleitung an die Studien- und Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Auch hier habe ich schnell einen Termin bekommen. Mithilfe der verschiedenen Beratungen habe ich mich entschieden, dass ich statt des Studiums lieber eine Ausbildung machen möchte. Da es bereits März war, sah ich jedoch keine sonderlich großen Chancen mehr, für den Herbst noch einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar hat mich jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass es durchaus noch einige freie Ausbildungsplätze gab. Ich durfte an einem hervorragenden Bewerbungstraining teilnehmen und habe tatsächlich noch einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann gefunden.

Während der ganzen Zeit hat Wegbereiter mich begleitet und unterstützt, wofür ich im Nachhinein wirklich dankbar bin. Als der Entschluss zum Abbruch fiel, war ich orientierungslos und wusste kaum, was ich stattdessen machen wollte und wie genau es weitergehen kann. Wegbereiter hat mir wie ein Leuchtturm verschiedene mögliche Wege gezeigt, wodurch ich seit inzwischen 6 Monaten zufrieden in der betrieblichen Ausbildung angekommen bin.

Der Abbruch hatte für mich persönlich auch keinerlei Nachteile. Im Gegenteil, er hat mich für die Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, interessanter gemacht. Die Klausuren in der Berufsschule sind im Gegensatz zu dem, was ich aus der Uni gewöhnt war, sehr einfach. Ich habe inzwischen einfach das Gefühl, ausbildungstechnisch das für mich Richtige zu machen – auch dank Wegbereiter.

Falls ihr ebenfalls in der Situation seid, dass ihr an eurer Studienwahl zweifelt, kann ich euch nur einen Tipp geben: Tragt diese Gedanken nicht allein mit euch rum. Sprecht mit irgendwem drüber, ganz egal ob Familie, Freunde oder Außenstehende. Und am wichtigsten: Macht das, womit ihr euch am wohlsten fühlt, unabhängig davon, was andere vielleicht von euch erwarten. Ein Studium passt meiner Meinung nach nun einmal nicht für Jeden. Das ist okay und keine Schande. Eine Ausbildung ist keine Sackgasse, man kann sich danach immer noch weiterbilden oder an die Universität zurückgehen, um nochmal zu studieren – dann aber mit einer völlig anderen Grundlage und anderen persönlichen Voraussetzungen.

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

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