Jessica: „Sei Mutig und Stark!“

Jessica, 24 Jahre, Duales Studium BWL in einer Kanzlei in Braunschweig und an der Welfenakademie

Wegbereiter: Wie bist du überhaupt auf das Projekt „Wegbereiter“ aufmerksam geworden?

Jessica: Ich war zuvor bei Frau Hartwig vom Diversity Mentoring-Programm des Gleichstellungsbüros der TU Braunschweig zur Beratung. Von ihr wurde ich auf das Projekt „Wegbereiter“ hingewiesen und bin so zur Wegbereiter-Beratung bei Johanna gekommen.

Wegbereiter: In welcher Situation warst du, als du die Wegbereiter-Beratung aufgesucht hast?

Jessica: Ich habe damals im 4. Semester Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau an der TU Braunschweig studiert. Zu diesem Zeitpunkt war ich sehr durcheinander und im Zwiespalt, was ich tun sollte. Aufgrund eines schweren familiären Verlustes kam ich mit meinen Klausuren in Verzug und meine Gedanken waren nicht zu 100% beim Studium. Natürlich wurden es mit jedem weiteren Semester immer mehr Klausuren, die gemeistert werden wollten. In meinem dritten Semester hatte ich mir vorgenommen, 8 Klausuren zu schreiben. Dies war eindeutig zu viel Druck für mich und ich musste mich schließlich nach der dritten Klausur von allen übrigen abmelden, da ich einfach nicht mehr in der Lage war, mich auf das Lernen zu konzentrieren. Ich war wirklich am Boden zerstört und wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Aus diesem Grund habe ich mir Hilfe gesucht, denn man muss nicht immer alles alleine schaffen – aber das musste auch ich erstmal lernen.

Wegbereiter: Wie kam es, dass du dich genau für dieses Beratungsangebot entschieden hast und wie ging es von da an weiter?

Jessica: Ich habe einfach alle Hilfsangebote in Anspruch genommen, die ich finden konnte. Vielleicht habe ich mir innerlich auch erhofft, dass mir jemand sagen kann, was ich machen soll. Dies ist natürlich nicht richtig, denn man sollte seine Entscheidungen selbst treffen. Genau dabei hat mir die Beratung geholfen. Im Laufe der Beratungsgespräche kam ich zu der Überzeugung, dass es für mich das Richtige war, das Studium abzubrechen. Innerlich hatte ich bereits vor dem ersten Gespräch mit der Weiterführung meines Studiums abgeschlossen. Bis mir das klar wurde, war es ein langer Prozess, denn letztlich war es eine wirklich schwere Entscheidung für mich. Danach habe ich mich vor allem nach dualen Studiengängen erkundigt und viele Bewerbungen geschrieben. Nebenbei habe ich gearbeitet und mich erstmal um mich gekümmert. Ich hatte einige Bewerbungsgespräche – erfreuliche und eher wenig erfreuliche. Nach einem wirklich schrecklichen Bewerbungsgespräch, ging es mir nicht gut und ich habe Johanna kontaktiert. Sie hat sich unverzüglich bei mir gemeldet. Ich konnte am Telefon alles schildern und gleich über weitere Möglichkeiten sprechen. Das war wirklich super und hat mir sehr geholfen.

Wegbereiter: Wie hat dein soziales Netzwerk reagiert als du dich für den Studienabbruch entscheiden hast?

Jessica: Meine Familie war froh über meine Entscheidung, das Studium zu beenden, denn sie haben gesehen wie schlecht es mir damit ging. Ich habe grundsätzlich viel Unterstützung von ihnen bekommen, jedoch fand ich es wichtig, auch Tipps und Hilfestellungen von Außenstehenden zu bekommen, denn Freunde und Familie neigen dazu von etwas abzuraten, weil sie denken, es wäre nicht das Richtige für einen.

Wegbereiter: Wie zufrieden bist du abschließend mit der Beratungsleistung und mit deiner gegenwärtigen Situation?

Jessica: Ich bin mehr als zufrieden mit der Beratung von „Wegbereiter“ und bin sehr froh, auf das Projekt aufmerksam geworden zu sein. Mir hätte nichts Besseres passieren können. Meine gegenwärtige Situation ist der absolute Wahnsinn, anders kann ich es nicht sagen. Ich bin überglücklich. Auch viele der von „Wegbereiter“ empfohlenen Kontakte waren sehr hilfreich, z.B. die Studien und Berufsberatung der Agentur für Arbeit, weil diese mir noch weitere Kanzleien und Unternehmen genannt haben, die das duale Studium anbieten und bei denen ich mich noch für das Ausbildungsjahr 2017 bewerben konnte.

Wegbereiter: Würdest du das Beratungsangebot anderen Studierenden weiterempfehlen? Aus welchem Grund?

Jessica: Auf jeden Fall! Es ist jedem zu empfehlen, bei dem nur der kleinste Zweifel aufkommt! Hätte ich früher von dem Projekt erfahren, wäre ich schon viel eher in die Beratung gekommen. Dank Johanna und durch dieses Projekt wurde ich motiviert und gestärkt. Ich habe wieder Hoffnung bekommen, ein zu mir passendes (duales) Studium finden zu können und habe dieses Ziel auch erreichen können.

Wegbereiter: Kannst du von deinen Vorkenntnissen bzw. Vorerfahrungen profitieren? Wie beschreibst du deine berufliche bzw. persönliche Zukunft?

Jessica: Ja, sowohl von meiner bereits vorhandenen Ausbildung als auch von den drei Semestern, die ich an der TU war, konnte ich profitieren. Die Zeit war keine Verschwendung. Auch wenn ich das Studium nicht abgeschlossen habe, habe ich dennoch etwas gelernt. Ich werde das Duale Studium in BWL mit der Fachrichtung Steuern und Prüfungswesen mit Sicherheit erfolgreich absolvieren. Anschließend werde ich in der Kanzlei übernommen, bei der ich während des Studiums die Praxisphasen absolviere, um meine praktische Erfahrung zu vertiefen.

Wegbereiter: Was würdest du dir in Bezug auf den Übergang in die Praxis von potenziellen Arbeitgebern in der Region wünschen?

Jessica: Es gibt einige Unternehmen, die Studienabbrechenden eine Chance geben. Dies sollte mehr verbreitet werden. Ich persönlich habe auch deswegen so lange gebraucht, mich für den Abbruch zu entscheiden, weil ich geglaubt habe, ich wäre uninteressant für Unternehmen.

Wegbereiter: Welche Botschaft möchtest Du anderen Personen in einer ähnlichen Situation mitgeben?

Jessica: Sei mutig und stark und lass Dir helfen! Andere Sichtweisen können unheimlich helfen, genau das Richtige für Dich selbst zu finden.

Außerdem sollte man nicht verzweifeln, denn wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere – es kann zwar etwas dauern, aber sie öffnet sich!

 

Foto: Hoffmann/TU Clausthal

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